Märkische Oderzeitung in der Mark Brandenburg

Schöneicher Allee

Gelungen: Manfred Fedler in seinem Garten in der Schöneicher Allee 11. Gerade hat der einstige
Betonbauer eine neue Skulptur ausgeschalt, die seinen Garten schmücken soll.

Gans Liesel geht zum Bäcker

Fredersdorfer bewahrt die 75-jährige Geschichte seines Grundstücks von Irina Voigt Fredersdorf-Vogelsdorf
(MOZ Freitag, 29 August 2003)

Vor genau 75 Jahren wurden die Grundstücke entlang der Schöneicher Allee von den Bothe-Erben parzelliert und verkauft. Damals waren es viele Berliner, die auf eigener Scholle vor den Toren der Großstadt Obst und Gemüse für den Kochtopf zogen, heute gibt es nur noch wenige Laubengrundstücke an dieser inzwischen viel befahrenen Straße.

Seit 75 Jahren in Familienbesitz ist das Grundstück in der Schöneicher Allee 11. Wilhelm und Marie Stürmer, die Großeltern des heutigen Besitzers haben es gekauft. Sie errichteten eine Laube darauf und bauten alles an, was den Speisezettel bereichern könnte, von Möhren bis Äpfel, von Nüssen bis Spargel. Enkel Manfred Fedler hält viel auf Familientradition und ist ihren Anfängen auf Fredersdorfer Schollen nachgegangen. Ist er doch 1938 hier geboren worden und auch auf der damals noch wenig befahrenen Dorfstraße aufgewachsen.
Das Grundstück und Haus bieten einen schmucken Anblick. Viel Arbeit hat das Ehepaar Fedler seit der Wende, seitdem es wieder in Familienhand zurückgefordert wurde, investiert.

" Ich habe zwar die DDR 1959 verlassen, aber die Verbindung zu meiner Heimat ist nie abgerissen "

sagt Manfred Fedler. Er hat sich bei jedem Besuch vor Ort umgesehen und nach der Wende sofort alles daran gesetzt, wieder Eigentümer zu werden. Weil seine Großeltern nach dem Krieg von Westberlin aus nicht ganz und gar nach Fredersdorf ziehen wollten, war ihnen 1951 ein Schreiben zugegangen, dass sie laut Wohngesetz des Kontrollrats vom 8. März 1946 zur Erfassung leer stehenden und freiwerdenden Wohnraums ihrerseits nicht mehr über den genannten Wohnraum verfügen durften. Seitdem waren die zwei Zimmer und Küche vermietet.
Nach der Wende gab es allerhand zu tun. Aber nichts, was der gelernte Betonbauer Manfred Fedler, der zwar auf Bankkaufmann umgeschult hatte, nicht bewältigt hätte. Und so präsentiert sich das Häuschen in lange nicht gesehener Pracht.
Der große Garten ist gepflegt und gibt immer wieder auch Auskünfte über seine 75-jährige Geschichte. Hier steckt Fedlers Frau Roswitha - kennengelernt hatten sich die beiden einst im Gasthaus Madel - ihre Freizeit hinein. So steht eine schmucke Betongans im Gras, die daran erinnert, wie Großmutter Marie immer mit Gans Liesel zum Bäcker ging, und wie sich Liesel dann selbsständig ihre Zuckerschnecke abholte. Ein stolzer Adler wurde zum 100. Geburtstag des Großvaters aufgestellt, und gerade erst ausgeschalt zieht eine Betonskulptur die Blicke auf sich. Natürlich erinnert auch ein Findling an das aktuelle Jubiläum.
Manfred Fedler hat nicht nur ein Faible für Skulpturen und Steine. So besorgte er sich im Zuge des Ausbaus der Schöneicher Allee alte Pflastersteine, die auf seinem Parkplatz zu neuer Geltung kamen, und er malt. Eine Dauerausstellung in Berlin kündet vom Talent des Mannes, dessen liebste Landschaften die Toskana, die Mark Brandenburg und das Schwabenland sind. In dieser Reihenfolge.

MOZ-Repro: Irina Voigt

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